Scharka-Virus

Das Scharka-Virus ist das schädlichste und am weitesten verbreitete Virus bei Steinobst in Europa. Die Scharka-Krankheit, die durch dieses Virus verursacht wird, führt zu erheblichen wirtschaftlichen Verlusten. Diese entstehen nicht nur durch geringere Erträge sowie eine verminderte Fruchtgröße und -qualität, sondern auch durch eine Schwächung der allgemeinen Kondition und das vorzeitige Absterben infizierter Bäume. Erste Symptome von Scharka-Schäden an Steinobstfrüchten wurden bereits nach dem Ersten Weltkrieg beobachtet, nicht nur auf dem Balkan, sondern auch auf unserem Staatsgebiet. Die Krankheit selbst, ihre Übertragung durch Pfropfung und ihr viraler Ursprung wurden erstmals 1933 von Prof. Atanasov in Bulgarien beschrieben. In der Tschechischen Republik kommt das Scharka-Virus landesweit bei allen Steinobstarten außer Kirschen und Sauerkirschen vor, am häufigsten jedoch bei Zwetschgen und Myrobalanen.

Biologie
Das Scharka-Virus (Plum Pox Virus, PPV) gehört zur Gattung Potyvirus aus der Familie der Potyviridae. PPV ist sehr variabel; bisher wurden 7 Virusstämme beschrieben, die sich in ihren biologischen, serologischen und molekularen Eigenschaften unterscheiden. In Mitteleuropa treten vor allem die Stämme PPV-D, PPV-M und PPV-Rec auf, wobei PPV-D am weitesten verbreitet ist. Diese Stämme befallen keine Kirschen oder Sauerkirschen. Weltweit ist der Stamm PPV-D (Dideron) am häufigsten, der die meisten Prunus-Arten infiziert, Pfirsiche jedoch seltener. Der Stamm PPV-M (Marcus) befällt verstärkt Pfirsiche, während der rekombinante Stamm PPV-Rec vor allem in Mittel- und Osteuropa Zwetschgen und seltener Aprikosen infiziert. Weitere Stämme wie PPV-C (Cherry) wurden an Kirschen nachgewiesen, PPV-W (Winona) an Pflaumen sowie PPV-T (Türkei) und PPV-EA (Ägypten) an verschiedenen Steinobstarten in den jeweiligen Regionen.

Übertragung und Ausbreitung
Wie alle Pflanzenviren wird das Scharka-Virus vegetativ übertragen, was seine Verbreitung durch Vermehrungsmaterial über große Entfernungen ermöglicht. Die natürliche Übertragung erfolgt durch die Saugtätigkeit verschiedener Blattlausarten, wobei die Grüne Pfirsichblattlaus, die Hopfenblattlaus und die Kleine Pflaumenblattlaus am bedeutendsten sind. Die Übertragung erfolgt nicht-persistent: Die Blattlaus nimmt das Virus bei einem kurzen Probestich auf und gibt es sofort an die nächste Pflanze weiter. In der Anfangsphase der Infektion befindet sich das Virus nur in einzelnen Zweigen, breitet sich aber über die Jahre im gesamten Baum aus. Bei toleranten Sorten vermehrt sich das Virus ähnlich wie bei empfindlichen Sorten. Bei resistenten Sorten liegt das Virus nur in geringer Konzentration vor, und bei hypersensiblen Sorten kommt es nach einem Befall zum Absterben des infizierten Gewebes, wodurch die weitere Ausbreitung verhindert wird.

Vorkommen
Das Scharka-Virus ist in Mittel- und Osteuropa am stärksten verbreitet und breitet sich auch in Südeuropa schnell aus. In West- und Nordeuropa tritt es eher lokal auf. Außerhalb Europas wurde PPV in Teilen Asiens, Nord- und Südamerikas sowie Nordafrikas nachgewiesen. Dank strenger phytosanitärer Maßnahmen ist es in Neuseeland und Australien bisher nicht vorkommend.

Wirtspflanzen
Wirtspflanzen sind alle Steinobstarten, allen voran Zwetschgen, Pflaumen, Aprikosen, Pfirsiche, Japanische Pflaumen und Myrobalanen. Seltener betroffen jsou Kirschen, Sauerkirschen und Mandeln. Auch Zier- und Wildformen (z. B. Schlehdorn) können infiziert sein und jako Infektionsquelle dienen.

Symptome
Symptome treten an Blüten, Früchten, Rinde und am häufigsten an den Blättern auf. Die Ausprägung variiert je nach Sorte. Resistente Sorten bleiben oft symptomfrei, während tolerante Sorten meist keine Symptome an den Früchten zeigen. Das typischste Anzeichen sind helle, chlorotische Ringe auf den Blättern sowie farbige Ringe auf den Früchten. Bei Zwetschgen kommt es oft zu pockennarbigen Vertiefungen (bulgarisch „Scharka“ = Pocken). Bei empfindlichen Sorten können die Blattflecken gelb bis rotbraun werden und nekrotisieren. Früchte deformieren sich vor allem bei Zwetschgen stark, bei Aprikosen und Pfirsichen treten Deformationen nur bei sehr anfälligen Sorten auf. Ein typisches Merkmal ist zudem die vorzeitige Reife und ein massiver Fruchtfall. In schweren Fällen kommt es zu Rindennekrosen und zum Absterben ganzer Äste.

Autor: Kollektiv Prima Pflanzen