die Unterlage

Die Unterlage ist eine Pflanze oder ein Teil davon, der zum Okulieren oder Pfropfen einer anderen Pflanze verwendet wird. Ziel dieser Veredelung ist es, das Überleben zu sichern oder die Eigenschaften der aufgepfropften Pflanze zu verbessern. Das Zusammenleben der Gewebe von Unterlage und Edelsorte wird durch die gegenseitige Affinität beeinflusst. Die neu entstandene Pflanze, eine sogenannte Chimäre, behält teilweise die Eigenschaften der ursprünglichen Unterlage, übernimmt jedoch überwiegend die Merkmale der neu aufgepfropften Edelsorte.

Die Eigenschaften der Unterlage beeinflussen maßgeblich die künftige Pflanze. Für veredelte Arten werden daher in der Regel mehrere Unterlagen mit unterschiedlichen Eigenschaften gezüchtet. Trotz des gegenseitigen Einflusses beeinflussen sich Unterlage und Edelsorte genetisch nicht – sie bleiben unterschiedliche Individuen.

Die Verwendung von Unterlagen wird am häufigsten mit Obstpflanzen, insbesondere Bäumen, in Verbindung gebracht. Bisher ist dies die einzige Methode, um viele Pflanzenarten in großen Mengen zu vermehren, die sich nicht gut über Samen vermehren lassen (steril sind) oder besonders anfällig für Krankheiten sind, wenn sie wurzelecht kultiviert werden. Obwohl das Pfropfen bereits seit hunderten von Jahren praktiziert wird und schon den alten Römern bekannt war, wurde die Mehrheit der heute verwendeten Unterlagen erst im 20. Jahrhundert gezüchtet.

Verschiedene Unterlagen werden auch für dieselbe Edelsorte verwendet, da sie ihr unterschiedliche Eigenschaften wie Wuchsstärke, Fruchtgröße und den Zeitpunkt der Ernte verleihen. Unterlagen werden nach spezifischen Merkmalen wie Resistenz gegen Trockenheit, Schädlinge und Krankheiten ausgewählt. Weinreben für den kommerziellen Anbau werden beispielsweise meist auf Unterlagen gepfropft, die resistent gegen die Reblaus sind.

Entscheidend ist die Affinität zwischen Unterlage und der aufgepfropften Pflanze. Wie beim Pfropfen allgemein ist es wichtig, dass die Unterlage in der Lage ist, das Gewebe der neuen Sorte anzunehmen. Diese Eigenschaft wird als Verträglichkeit (Affinität) bezeichnet. Pflanzen innerhalb einer Art lassen sich leicht veredeln (Sorten auf die Stammform). Mit unterschiedlichen Ergebnissen gelingt dies auch bei verschiedenen Arten innerhalb einer Gattung (z. B. Aprikose auf Pflaume), wohingegen Pflanzen verschiedener Gattungen nur selten veredelt werden. Eine Ausnahme bildet die Birne, von der viele Sorten auf Quitte als Unterlage kultiviert werden.

Als Unterlage wird üblicherweise der Teil der Pflanze bezeichnet, der das Wurzelsystem bildet, oder das Wurzelsystem zusammen mit dem Stamm (bei einer Kronenveredelung). In diesem Fall bildet die Edelsorte die Krone. Bei speziellen Sorten, wie dem Apfel 'Ontario', wird jedoch oft eine sogenannte Zwischenveredelung (Stammbildner) durchgeführt: Hierbei bildet die Unterlage das Wurzelsystem, eine zweite Sorte den Stamm und die Sorte 'Ontario' schließlich die Krone.

Autor: Kollektiv Prima Pflanzen