Der Anbau von Birnenbäumen gewinnt wieder an Popularität und so kehren diese Obstbäume als Klassiker in unsere Gärten zurück. Wir hoffen, dass Sie die richtige Sorte gewählt haben, deren Früchte Sie nicht nur für den Direktverzehr, sondern auch für die Weiterverarbeitung in der Küche oder vielleicht in der heimischen Brennerei nutzen werden. Die am besten geeigneten Bedingungen für den Birnenanbau sind wärmere Lagen in einer Höhe von 200–350 m ü. M. mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von über 7,5 °C. Für den Anbau in höheren Lagen wählen wir nur ausgewählte Sommer- oder Herbstsorten.
Pflanzung und Substrat:
Wir wählen sonnige und warme Standorte, die vor Wind geschützt sind (besonders bei großfrüchtigen Sorten könnten die Früchte sonst leicht abfallen), am besten nach Süden oder Südwesten ausgerichtet. Der Boden sollte mittelschwer und gut durchlässig sein – Birnen vertragen keine hohen Grundwasserstände. Dieser sollte eine Höhe von ca. 1,8 m beim Anbau auf Sämlingen und 1,2 m beim Anbau auf Quittenunterlagen nicht überschreiten. Bei der Pflanzung einer größeren Anzahl von Birnbäumen halten wir einen Pflanzabstand von 3,5 x 3,5 m bis 8 x 8 m ein (je nach gewählter Unterlage und somit künftiger Baumhöhe). Für die Pflanzung selbst heben wir eine Grube von ca. 1 m x 60 cm aus, bei schweren Lehmböden 80 x 80 x 100 cm, und bereiten die Erde nach Bedarf vor (siehe Abbildung). Vor dem Einpflanzen müssen abgestorbene Wurzeln entfernt werden; anschließend wird der Baum in Wasser eingeweicht (zwei Stunden sollten genügen, eine längere Zeit schadet nicht). Bei einer Pflanzung im Frühjahr erfolgt ein Grundschnitt (siehe Abschnitt Schnitt), bei einer Herbstpflanzung verschiebt man den Schnitt auf das Frühjahr. Die meisten jungen Bäume benötigen in den ersten Lebensjahren eine entsprechende Stütze (manche lebenslang). Bereiten Sie daher einen Pfahl vor, den Sie in die bereits ausgehobene Grube einschlagen. Setzen Sie dann das Gehölz senkrecht ein und füllen Sie Erde ein. Damit die Erde auch gut unter die Wurzeln gelangt, heben Sie das Bäumchen leicht an und rütteln Sie kurz daran. Danach die restliche Erde auffüllen, festtreten und den Baum schließlich am Pfahl befestigen. Vergessen Sie nicht, gründlich mit etwa 15 Litern Wasser anzugießen. Nach dem Versickern kann die Pflanzstelle zusätzlich mit Rinde oder Laub gemulcht werden.

Düngung:
Der Birnbaum gehört zusammen mit dem Apfelbaum zu den Obstbäumen, die einen höheren Stickstoffbedarf haben. Weitere Nährstoffe, die für ein korrektes Baumwachstum wichtig sind und ergänzt werden müssen, sind Phosphor und Kalium. Zu den traditionellen, handelsüblichen Düngern, die eine ausreichende Nährstoffversorgung sicherstellen, gehören NPK oder Cererit (im Frühjahr und in der ersten Hälfte des Sommers). Die hochwertigste Düngung erreichen wir jedoch durch die Gabe von Stallmist oder Kompost (im Herbst).
Bewässerung:
Während der Einwurzelungsphase schenken wir der Bewässerung erhöhte Aufmerksamkeit. Da Birnen jedoch relativ flach wurzeln, müssen wir darauf achten, dass der Boden nicht staunass ist und die Bäume nicht "im Wasser stehen".
Schnitt:
Schnitt nach/vor der Pflanzung: Die Kronen von Birnenbäumen werden am besten in Pyramidenform erzogen. Daher muss zuerst der Mitteltrieb (Terminal) gewählt werden und danach die grundlegenden 4 Seitentriebe (2 auf jeder Seite). Diese kürzen wir auf 4–6 Augen ein, sodass das letzte Auge immer nach außen aus der Krone weist (innere Zweige, näher am Stamm, kürzen wir immer am stärksten, damit der Stamm kräftiger wird). Den Mitteltrieb passen wir dann den Seitentrieben so an, dass er diese um ca. 10 cm überragt. Säulenbirnen benötigen keinen Schnitt (gegebenenfalls kürzen wir nur überflüssige Zweige ein).

Sommerschnitt: Hierbei werden die Jungtriebe eingekürzt oder entspitzt, um eine bessere Knospenbildung zu fördern. Es können auch überflüssige Sommertriebe entfernt werden, dieser Schnitt erfolgt jedoch meist erst im Winter.
Winterschnitt: Erfolgt von Januar bis April.
Erziehungsschnitt: Dieser Schnitt hat vor allem zum Ziel, die neu entstehende Krone aufzubauen und zu formen. Birnen wachsen nicht sehr dicht, daher wird der Schnitt im Laufe der Jahre einfacher als bei Äpfeln sein. Bei Birnen ist es ratsam, die Hauptäste in einem Winkel von 70–80° vom Stamm zu halten.
Im 1. Jahr nach der Pflanzung belassen wir den Mitteltrieb und drei bis vier gleichmäßig verteilte Seitenäste (siehe Schnitt nach/vor der Pflanzung).
Im 2. Jahr entfernen wir überflüssige Konkurrenztriebe. Gleichzeitig wählen wir den schwächsten Ast und kürzen ihn etwa um die Hälfte ein. Je schwächer das Wachstum, desto tiefer schneiden wir. Danach passen wir auf gleicher Höhe des eingekürzten Astes auch die anderen Haupttriebe an, immer auf ein nach außen weisendes Auge. Den Mitteltrieb kürzen wir wieder so ein, dass er die Hauptäste um 1/4 bis 1/3 der Länge überragt. Wir achten auf den Astwinkel.
Im 3. Jahr gehen wir genauso vor wie im zweiten Jahr, schneiden jedoch nicht mehr so tief und belassen auch schwächere Fruchtholzzweige (diese müssen jedoch kürzer sein als die Hauptäste).
Im 4. Jahr ist das Vorgehen wieder gleich, nur bei den Ästen, an denen bereits die ersten Blüten erscheinen, schränken wir den Schnitt noch weiter ein. Nur bei stärker wachsenden Bäumchen entfernen wir überflüssige schwache Zweige.
Im 5. Jahr sollten die meisten Bäume bereits tragen. Falls nicht, führen wir keinen Schnitt durch, sondern nur eine unumgängliche Auslichtung.
Erhaltungsschnitt: Mit diesem Schnitt halten wir den Baum in guter Kondition, indem wir eine Verjüngung der Hauptäste vornehmen. Bei einem leichten Verjüngungsschnitt kürzen wir die Äste bis ins zweijährige Holz um etwa 1/4 der Länge ein. Bei einem mittelschweren Schnitt reduzieren wir bis ins 3-4-jährige Holz auf etwa die Hälfte der Länge. Ein tiefer Verjüngungsschnitt wird nur ausnahmsweise bei sehr schwach wachsenden Sorten bis auf 1/3 der Länge durchgeführt. Wie bereits erwähnt, ziehen wir Birnen in Pyramidenform; bei Buschbäumen gilt jedoch, dass die Krone oval sein sollte, weshalb die unterste Etage am stärksten geformt wird.
Verjüngungsschnitt: Diesen Schnitt führen wir vor allem bei Halbstämmen oder Hochstämmen durch, wobei wir die Hauptäste entsprechend der Lebensdauer des Baumes einkürzen. Zuerst erfolgt eine gründliche Auslichtung, danach kürzen wir die Hauptäste auf 1–2 m Länge ein. Bei Buschbäumen wird dieser Schnitt in der Regel nicht angewandt, hier reicht ein Erhaltungsschnitt völlig aus.
Alle Schnittwunden behandeln wir stets mit Baumwachs.
WIR VERGESSEN NICHT die regelmäßige Fruchtausdünnung, bei der wir bereits kleine Früchte in einem Abstand von 10 cm (bei kleineren Sorten) oder 20 cm (bei großfrüchtigen Sorten) entfernen. Die Früchte von Sommersorten sind für den Direktverzehr bestimmt und halten maximal 2 Wochen. Späte Birnen ernten wir rechtzeitig, bevor sie zur Attraktion für Vögel werden. Die frühesten Sorten ernten wir so bald wie möglich, noch vor der Vollreife.
Unterlagen für Birnen:
Wildbirne/Birnensämling: Wird bis zu 100 Jahre alt, beginnt aber erst spät zu tragen, etwa im 10. Jahr nach der Pflanzung. Die volle Ertragsfähigkeit wird erst um das 20. Jahr erreicht. Erzielt während der gesamten Wachstumszeit hohe Erträge und ist gut frostbeständig. Bei der Pflanzung halten wir einen Abstand von 4 x 5 m ein. Verträgt auch schlechtere Bodenbedingungen.
Quitte: Geeignete Unterlage für Buschbäume (Quitte MA für Schlanke Spindeln), wächst schwächer. Bei der Pflanzung halten wir einen Abstand von 4,5 x 2,5 m ein. Trägt früh, ca. bereits im 4. Jahr nach der Pflanzung. Einige Quittentypen neigen zum Erfrieren. Die Lebensdauer dieser Unterlage beträgt ca. 35 Jahre.
Quitte MA - schwach wachsende Unterlage, recht krankheitsresistent. Benötigt mittelschwere bis hochwertigere Böden. Die Sorten treten früh in den Ertrag ein, tragen gut und reichlich. Verträgt keinen höheren Kalkgehalt im Boden.
Quitte S1 - schwach wachsende Unterlage, nicht anfällig für Wurzelkropf, mäßig anfällig für Blattfleckenkrankheit. Sie ist von allen Quittentypen am frostbeständigsten. Bildet ein stärkeres Wurzelsystem und verträgt kurzzeitige Trockenheit. Tritt früh in den Ertrag ein, trägt gut und reichlich.
Kaukasische Birne: Trägt später als Bäume auf Quittenunterlage (Ertragsbeginn um das 6. Jahr), die Wuchshemmung ist geringer. Sehr gut frosthart und krankheitsresistent.
OHF 333: Vegetativ vermehrte Birnenunterlage aus der Serie Old Home × Farmingdale (OH×F), primär gezüchtet wegen der Resistenz gegen Feuerbrand und der guten Kompatibilität mit Birnensorten. In der Praxis zählt sie zu den halbschwach bis mittelstark wachsenden Unterlagen: In der Regel erreicht der Baum ca. 50–70 % der Größe eines Sämlings (Standard), also typischerweise ein Baum von ca. 3,5–5 m je nach Schnitt, Standort und Sorte. Gedeiht am besten in tiefgründigen, nährstoffreichen und gut durchlässigen Böden mit regelmäßiger Feuchtigkeit.

Stammhöhe (Abstand der Krone vom Boden):
Buschbaum: 40–60 cm
Viertelstamm: 70–120 cm
Halbstamm: 130–160 cm
Hochstamm: über 180 cm
Winterschutz der Pflanzen:
Es hängt von der gewählten Unterlage ab, einige sind sehr frosthart, sodass der Winterschutz weniger aufwendig ist. Man kann jedoch den Stamm und die stärksten Äste mit Kalkmilch bestreichen (eine 20%ige Mischung aus gelöschtem Kalk und Wasser). Vor dem Anstrich empfiehlt es sich, die alte und abgestorbene Rinde am Stamm zu entfernen. Ein so behandelter Baum ist nicht nur vor Frost, sondern auch vor der Wintersonne geschützt. Eine weitere Möglichkeit ist es, ein größeres Holzbrett an der Südseite des Baumes anzulehnen; jüngere Bäume können mit Jute, Schilfmatten o. Ä. umwickelt werden.
Krankheiten und Schädlinge:
Zu den bekanntesten Birnenkrankheiten gehört der Birnengitterrost. Es handelt sich um eine Pilzerkrankung, deren Hauptwirte der Chinesische Wacholder und der Sadebaum sind (nicht Thujen, wie oft behauptet wird). Der Rost überwintert in den Zweigen des Wacholders und breitet sich im Laufe des Aprils oder Mais auf Birnbäume aus, wo er die Blätter befällt (es bilden sich orangefarbene Flecken). Am Ende des Sommers zieht der Rost wieder zurück auf die Wacholderbüsche (er überwintert nicht auf den Birnen). Eine Infektion kann über eine Entfernung von mehreren hundert Metern erfolgen. Eine vorbeugende Spritzung kann kurz vor oder nach der Blüte durchgeführt werden.
Wenn Ihre Birne verkrümmte Blätter mit Erhebungen in verschiedenen Farben (von grün bis braun) hat, ist sie wahrscheinlich von der Birnenpockenmilbe befallen, die gewöhnlich in der Rinde oder in den Knospenschuppen überwintert. Vorbeugend kann man sich auf verschiedene Weise wehren – im Vorfrühling durch eine Spritzung mit Schwefelpräparaten, im zeitigen Frühjahr (bei Temperaturen um 5 °C) mit einem Mittel gegen überwinternde Schädlinge und schließlich vor der Blüte mit einem Mittel gegen saugende Schädlinge.
Eine weitere häufige Erkrankung ist die Monilia-Fruchtfäule, die sich durch gelbliche, eingesunkene Stellen auf den Früchten äußert. Die Krankheit breitet sich sehr schnell aus (abhängig von Temperatur und Luftfeuchtigkeit). Wir versuchen das Auftreten durch Fruchtausdünnung oder Spritzung mit Fungiziden einzudämmen.
Blatt- oder Fruchtfall sowie dunkelgraue bis schwarze Flecken auf Trieben oder Früchten deuten auf einen Befall durch Birnenschorf hin. Vorbeugend kann man bereits zum Zeitpunkt des ersten Knospenaufbruchs mit entsprechenden Pflanzenschutzmitteln entgegenwirken.
Autor: Kollektiv Prima Pflanzen
