Anleitung zum Anbau von Aprikosen

Aprikosen stammen, genau wie Pfirsiche, ursprünglich aus China. Es handelt sich um kurzlebige Bäume (ca. 20–25 Jahre), über deren erfolgreichen Anbau mehrere Faktoren entscheiden.


 

Pflanzung und Substrat:

Aprikosen bevorzugen eher trockene, leichtere Böden mit einer neutralen Reaktion um pH 7. Schwerer Boden belastet die Wurzeln der Aprikosen zu sehr. Wir wählen einen ausreichend warmen, hellen und sonnigen Standort. Für diese Obstart ist der Anbau in Höhenlagen um 350 m ü. M. mit einer durchschnittlichen Jahrestemperatur von etwa 8,5 °C am am besten geeignet. Ein Anbau in höheren Lagen (400–450 m ü. M.) bei einer Durchschnittstemperatur von 7 °C ist möglich, erfordert jedoch die Wahl einer geeigneten Sorte und Unterlage sowie vorzugsweise eine Südwest- oder Westseite, wo die Temperaturen am wenigsten schwanken. In jedem Fall sollten windige Standorte und Frostsenken vermieden werden. Aprikosen werden meist in zwei Formen kultiviert: als Viertelstamm mit frei wachsender Krone und Mitteltrieb (empfohlener Pflanzabstand 6x4–5 m) oder als frei wachsende Büsche mit Hohlkrone (ohne Mitteltrieb, Abstand 5x3–4 m).

Vor dem Pflanzen müssen abgestorbene Wurzeln entfernt werden; anschließend wird der Baum in Wasser eingeweicht (zwei Stunden sind ausreichend, länger schadet nicht). Bei der Frühjahrspflanzung erfolgt der Grundschnitt (siehe Abschnitt Schnitt), bei der Herbstpflanzung verschiebt man den Schnitt auf das Frühjahr. Die meisten jungen Bäume benötigen in den ersten Jahren eine Stütze. Ein Pfahl wird in das Pflanzloch geschlagen, bevor der Baum eingesetzt wird. Um die Erde gut zwischen die Wurzeln zu bringen, wird der Baum beim Auffüllen leicht gerüttelt. Danach wird die Erde festgetreten und der Baum am Pfahl fixiert. Abschließend wird mit etwa 15 Litern Wasser gründlich gewässert. Nach dem Versickern kann die Pflanzstelle mit Mulch oder Laub abgedeckt werden.

prosto

Düngung:

Wie bei anderen Obstarten versuchen wir, die Grundstoffe Stickstoff, Phosphor und Kalium (z. B. Cererit, NPK) im Vorfrühling und Herbst zu ergänzen. Stickstoff wird vermehrt erst im Frühjahr zugegeben (da er über Winter leicht auswäscht), besonders nach der Blüte und dem Fruchtfall – dies fördert das Wachstum und die Gesundheit des Baumes. Die hochwertigste Düngung bietet jedoch gut verrotteter Kompost oder Stallmist.

 

Bewässerung:

Es ist darauf zu achten, dass der Baum nicht staunass steht. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Bewässerung bei der Frühjahrspflanzung und in sehr trockenen Sommern.

 

Schnitt: Wie bereits erwähnt, werden Aprikosen meist als Viertelstamm mit Mitteltrieb oder als Busch mit Hohlkrone gezogen.

 

Frei wachsende Krone: Die Krone wird bei einem Viertelstamm in einer Höhe von 0,9–1,1 m angesetzt (bei Büschen 0,4–0,6 m, bei Halbstämmen 1,3–1,5 m). Ziel ist eine Krone mit Hauptästen in einem Abstand von 0,2–0,3 m unregelmäßig übereinander, damit Haupt- und Leitäste nicht auf derselben Ebene entspringen.

 

Schnitt vor/nach der Pflanzung: Wir wählen 3–5 Hauptäste und den Mitteltrieb aus. Bei einer Frühjahrspflanzung werden die Seitentriebe sehr stark eingekürzt (um ca. 3/4 auf 3 bis max. 5 Augen). Bei Herbstpflanzungen werden die Seitentriebe im Frühjahr um ca. 2/3 und der Mitteltrieb um die Hälfte eingekürzt, wobei der Mitteltrieb die Seitentriebe um etwa 25 cm überragen sollte.

Schnitt im zweiten Jahr: Im Frühjahr werden vor allem Konkurrenztriebe zum Mitteltrieb, nach innen wachsende Triebe und solche mit sehr spitzem Winkel entfernt. Die Hauptäste werden um 1/2 bis 2/3 nach demselben Prinzip wie nach der Pflanzung gekürzt. Triebe, die kürzer als 25 cm sind, müssen nicht gekürzt werden.

Schnitt im dritten und vierten Jahr: Wenn möglich, erfolgt eine Ableitung der Hauptäste auf einen nach außen weisenden Trieb. Im Inneren werden verdichtende Triebe entfernt.

Schnitt in den Folgejahren: Ziel ist die Auslichtung der Krone und die Regulierung des Zuwachses. Sobald der jährliche Zuwachs an den Außenseiten auf 0,2–0,3 m sinkt, ist ein Verjüngungsschnitt ins zwei- bis dreijährige Holz erforderlich.

Schnittzeichnung

 

Hohlkrone: Eine Krone ohne Mitteltrieb mit 4–5 Hauptästen. Ziel ist eine offene Krone, damit alle Leitäste ausreichend Licht erhalten.

Hohlkrone

 

Schnitt vor/nach der Pflanzung: Direkt nach der Pflanzung (bzw. im Frühjahr danach) wird der Mitteltrieb entfernt, am besten durch Ableitung auf den höchsten Seitentrieb mit gutem Abgangswinkel. Es verbleiben 4–5 Haupttriebe, die nicht an der gleichen Stelle des Stammes entspringen sollten. Diese werden um 2/3 auf ein Außenauge (3–4 Augen) gekürzt.

Schnitt im zweiten bis vierten Jahr: Die Verlängerungstriebe der Hauptäste werden um 1/3 bis 2/3 gekürzt. Nach innen wachsende oder sich kreuzende Triebe werden entfernt.

Schnitt in den Folgejahren: Fokus liegt auf der Auslichtung des Kroneninneren und dem Entfernen zu dichter Äste.

Entwicklung

 

Unterlagen:

St. Julien A - schwach wachsende Unterlage, flach wurzelnd. Geeignet für wärmere Gebiete mit ausreichender Feuchtigkeit und schwerere Böden. Verträgt keine Trockenheit.

Myrobalane - geeignet für schwerere und trockene Böden. Starker Wuchs, sehr anpassungsfähig.

Aprikosensämling - Standardunterlage. Starker Wuchs. Geeignet für gute Böden sowie sandige Standorte.

Grüne Reneklode - geeignet für mittelschwere bis schwere Böden, ideal für Viertelstämme und Büsche.

Myro 29C - vegetativ vermehrte Unterlage, mittelstark wachsend (ca. 25 % schwächer als die klassische Myrobalane). Gut geeignet für niedrigere Baumformen.

Unterlagenübersicht

 

Winterschutz der Pflanzen:

Aprikosen treiben sehr früh aus (bereits im Februar) und neigen zum Erfrieren. Ein gewisser Schutz kann erreicht werden, indem der Stamm vor winterlicher Sonneneinstrahlung geschützt wird (z. B. durch Umwickeln mit weißem Vlies bis 1 m Höhe oder durch Anlehnen eines Bretts), um verfrühten Saftfluss zu verhindern.

 

Krankheiten und Schädlinge:

Gefährlich ist die Scharka-Krankheit (Virus), die sich durch Flecken auf Blättern und Früchten zeigt. Die Übertragung erfolgt durch Blattläuse, daher ist deren Bekämpfung die beste Prävention. Blattbräune (Pilz) kann im Juni auftreten; hier hilft Spritzen nach der Blüte. Spinnmilben verursachen feine Gespinste und werden mit Akariziden bekämpft. Eine der häufigsten Todesursachen in Mitteleuropa ist die Monilia-Krankheit, ein Pilz, der Fruchtfäule und das Absterben von Trieben (Spitzendürre) verursacht. Befallene Teile müssen entfernt und entsorgt werden.

 

Autor: Kollektiv Prima Pflanzen, Teil der Abbildungen: Schnitt von Obstgehölzen, Grada 2011