Wenn Sie bereits die passende Unterlage für Ihren Apfelbaum ausgewählt haben und wissen, ob Sie ihn als Buschbaum, Spindel, Säulenapfel oder in einer klassischen Baumform kultivieren möchten, ist es wichtig, der richtigen Pflanzung und vor allem dem Schnitt dieses Obstbaumes Aufmerksamkeit zu schenken.
Pflanzung und Substrat:
Wir wählen sonnige und warme Standorte, am besten nach Süden ausgerichtet, mit einem nährstoffreichen, leichten, gut durchlässigen und feuchten, aber nicht staunassen Boden. Apfelbäume bevorzugen Böden mit neutraler bis leicht saurer Reaktion. Es ist wichtig, den Pflanzort im Voraus vorzubereiten. Wir heben eine Grube von ca. 1 m x 60 cm aus, bei schweren Lehmböden 80 x 80 x 100 cm. Die entnommene Erde passen wir nach Bedarf an – bei schwerem Boden fügen wir Sand hinzu, bei zu leichtem Boden lehmige Erde. Wir fügen auch gut verrotteten Mist oder ein Gartensubstrat hinzu, das bereits entsprechende Dünger enthält. Vor der Pflanzung entfernen wir abgestorbene Wurzeln des Bäumchens und weichen es in Wasser ein (zwei Stunden sollten genügen, eine längere Zeit schadet nicht). Bei der Frühjahrspflanzung führen wir den Grundschnitt durch (siehe Abschnitt „Schnitt“), bei der Herbstpflanzung verschieben wir den Schnitt auf das Frühjahr. Die meisten jungen Bäume benötigen in den ersten Lebensjahren eine entsprechende Stütze (manche lebenslang). Bereiten Sie daher einen Pfahl vor, den Sie in die bereits ausgehobene Grube einschlagen. Danach setzen wir das Gehölz senkrecht ein und füllen Erde auf. Damit die Erde gut unter die Wurzeln gelangt, heben wir das Bäumchen leicht an und rütteln kurz daran. Danach auffüllen, festtreten und den Baum schließlich am Pfahl befestigen. Vergessen Sie nicht, gründlich mit etwa 15 Litern Wasser anzugießen. Nach dem Versickern kann die Pflanzstelle zusätzlich mit Rinde oder Laub gemulcht werden.

Pflanzabstände:
Je nach gewählter Unterlage wählen wir auch ausreichende Abstände zwischen den einzelnen Bäumen:
Schlanke Spindeln: Pflanzung in Reihen mit einem Abstand von ca. 3–4 m, die Abstände zwischen den einzelnen Bäumen sollten 0,8–1,8 m betragen.
Buschbäume: Je nach Sorte und Unterlage im Verband von 3–4 m x 2,5–3 m. In Reihen mit Abständen von 3,5–4,5 m und Baumabständen von 2,5–3,5 m.
Viertelstämme: Pflanzung im Verband von 4–5 m x 3–4 m, in Reihen 4,5–5 m voneinander entfernt und mit Baumabständen von 2,5–3,5 m.
Düngung:
Wichtig für das gute Gedeihen des Apfelbaums ist die Zufuhr notwendiger Nährstoffe wie Stickstoff, Kalzium, Phosphor, Kalium und Magnesium. Kalium und Phosphor können bereits vor der Pflanzung in den Boden eingearbeitet und dann zusammen mit anderen Nährstoffen während der Vegetation ergänzt werden. Stickstoff bringen wir hauptsächlich im Frühjahr aus, da er im Herbst leicht in tiefere Bodenschichten ausgewaschen wird. Am einfachsten für den normalen Verbraucher ist die Gabe von NPK im Herbst und erneut im Frühjahr. Wir bemühen uns auch, den Humusgehalt im Boden zu ergänzen. Die hochwertigste Düngung erreichen wir jedoch mit gut verrottetem Kompost.
Bewässerung:
Während der Einwurzelungsphase schenken wir der Bewässerung erhöhte Aufmerksamkeit, ebenso bei der Pflanzung in sehr sandigen Böden – hier ist eine regelmäßige Bewässerung sogar zwingend erforderlich.
Schnitt:
Schnitt nach/vor der Pflanzung: Wir wählen den Mitteltrieb (Terminal) und die grundlegenden 4 Seitenäste (2 auf jeder Seite) aus – diese kürzen wir auf 4–6 Augen ein, sodass sie aus der Krone nach außen weisen. Den Mitteltrieb passen wir dann den Seitenästen so an, dass er diese um ca. 10 cm überragt. Säulenapfelbäume benötigen keinen Schnitt (gegebenenfalls kürzen wir überflüssige Zweige ein).

Sommerschnitt: Dabei werden Jungtriebe eingekürzt oder entspitzt, um eine bessere Knospenbildung zu fördern. Es können auch überflüssige Sommertriebe entfernt werden, dieser Schnitt erfolgt jedoch meist im Winter.
Winterschnitt: Erfolgt von Januar bis April.
Erziehungsschnitt: Dieser Schnitt hat vor allem zum Ziel, die neu entstehende Krone aufzubauen und zu formen. Im 1. Jahr nach der Pflanzung belassen wir den Mitteltrieb und drei bis vier gleichmäßig verteilte Seitenäste (siehe Schnitt nach/vor der Pflanzung).
Im 2. Jahr entfernen wir überflüssige Konkurrenztriebe. Gleichzeitig wählen wir den schwächsten Ast und kürzen ihn etwa um die Hälfte ein. Je schwächer das Wachstum, desto tiefer schneiden wir. Danach passen wir auf gleicher Ebene des eingekürzten Astes auch die anderen Haupttriebe an, immer auf ein nach außen weisendes Auge. Den Mitteltrieb kürzen wir wieder so ein, dass er die Hauptäste um 1/4 bis 1/3 der Länge überragt. Wir achten auf einen passenden Winkel, damit die Äste weder zu nah noch zu weit vom Stamm entfernt sind.
Im 3. Jahr gehen wir genauso vor wie im zweiten Jahr, schneiden jedoch nicht mehr so tief und belassen auch schwächere Fruchtholzzweige (diese müssen jedoch kürzer sein als die Hauptäste).
Im 4. Jahr ist das Vorgehen wieder gleich, nur bei den Ästen, an denen bereits die ersten Blüten erscheinen, schränken wir den Schnitt noch weiter ein. Nur bei stärker wachsenden Bäumchen entfernen wir überflüssige schwache Zweige.
Im 5. Jahr sollten die meisten Bäume bereits tragen. Falls nicht, führen wir keinen Schnitt durch, sondern nur eine unumgängliche Auslichtung.
Erhaltungsschnitt: Mit diesem Schnitt halten wir den Baum in guter Kondition, indem wir eine Verjüngung der Hauptäste vornehmen. Bei einem leichten Verjüngungsschnitt kürzen wir die Äste bis ins zweijährige Holz um etwa 1/4 ein. Bei einem mittelschweren Schnitt reduzieren wir bis ins 3-4-jährige Holz auf etwa die Hälfte. Ein tiefer Verjüngungsschnitt wird nur ausnahmsweise bei sehr schwach wachsenden Sorten bis auf 1/3 durchgeführt.
Verjüngungsschnitt: Diesen Schnitt führen wir vor allem bei Halbstämmen oder Hochstämmen durch, wobei wir die Hauptäste entsprechend der Lebensdauer des Baumes einkürzen. Zuerst erfolgt eine gründliche Auslichtung, danach kürzen wir die Hauptäste auf 1–2 m Länge ein. Bei Buschbäumen wird dieser Schnitt in der Regel nicht angewandt, hier reicht ein Erhaltungsschnitt völlig aus.
Alle Schnittwunden behandeln wir stets mit Baumwachs.
WIR VERGESSEN NICHT die regelmäßige Fruchtausdünnung, bei der wir bereits kleine Früchte in einem Abstand von 10 cm (bei kleineren Früchten) oder 20 cm (bei großfrüchtigen Sorten) entfernen.
Unterlagen für Apfelbäume (am häufigsten von uns angeboten):
A2 – sehr frostharte Unterlage, starkwüchsig, geeignet für höhere Baumformen.
M7 – gut wurzelnde, anfangs sehr schnell wachsende Unterlage, der Ertrag setzt im 4.–5. Jahr ein und ist sehr reich. Breite 3 m und Höhe 2,5–3 m.
M9 – sehr schwacher Wuchs, flach wurzelnd; benötigt eine Stütze. Früher Ertragsbeginn. Breite 1,6 m und Höhe 1,8 m – 2,5 m.
MM 111 – mittelstark wachsende Unterlage, benötigt keine Stütze, wird vor allem für Säulenapfelsorten verwendet. Höhe bis 4,5 m, Breite 4 m. Ertragsbeginn 4.–5. Jahr.
M26 – wächst schwach bis mittelstark, stärker als M9 und ist sehr gut für schwächer wachsende Sorten geeignet. Sie ist frosthärter als M9 und bringt eine sehr gute Fruchtqualität. Sie ist instabil und benötigt daher eine Stütze. Breite 2,3 m und Höhe 2,5 m.
MM106 virus free – mittelstark wachsende Unterlage, kräftiger Wuchs, großes Wurzelsystem, frosthart, geeignet für steinige, feuchte Böden sowie für Grasflächen. Die Bäume tragen früh und gut. Benötigt keine Stütze. Breite 3,6 m und Höhe 3 m.
P60 – mittelstark wachsende Unterlage, wächst stärker als M9, aber schwächer als M26. Trägt reichlich, bereits ab dem 2. Jahr. Geeignet für leichtere, sandige Böden. Zeichnet sich durch karmesinrot gefärbtes Holz aus. Sehr gute Frosthärte, mittlere Resistenz gegen Schorf und Mehltau.
P14 – mittelstark wachsende Unterlage, wächst stärker als M26. Verträgt auch schlechtere Bedingungen gut. Sie ist mäßig frosthart, die Resistenz gegen Schorf ist hoch. Die Früchte färben gut aus.
B118 – mittelstark bis kräftig wachsend, gut frosthart, geeignet für ärmere und trockenere Böden. Entspricht der Unterlage MM111.
B396 – ertragreiche, frostharte Unterlage, vom Wuchs her ähnlich der Unterlage M7.

Stammhöhe (Abstand der Krone vom Boden):
Buschbaum: 40–60 cm
Viertelstamm: 70–120 cm
Halbstamm: 130–180 cm
Hochstamm: über 180 cm
Winterschutz der Pflanzen:
Am häufigsten werden Stämme und die stärksten Äste mit sogenannter Kalkmilch bestrichen; dabei handelt es sich um eine 20%ige Mischung aus gelöschtem Kalk und Wasser. Vor dem Anstrich empfiehlt es sich, die alte und abgestorbene Rinde am Stamm zu entfernen. Ein so behandelter Baum ist nicht nur vor Frost, sondern auch vor der Wintersonne geschützt. Eine weitere Möglichkeit ist es, ein größeres Holzbrett an der Südseite des Baumes anzulehnen; jüngere Bäume können mit Jute, Schilfmatten o. Ä. umwickelt werden.
Krankheiten und Schädlinge:
Apfelbäume werden von einer Vielzahl von Schädlingen und Krankheiten befallen, gegen die meisten kann man sich jedoch präventiv wehren. Eine der häufigsten Krankheiten ist die Monilia-Fruchtfäule. Diese äußert sich vor allem durch das Braunwerden des Gewebes und die Bildung hellbrauner Pusteln auf der Fruchtoberfläche. Um dies zu vermeiden, ist es ratsam, sich präventiv gegen den Apfelwickler zu schützen und befallene Früchte sofort zu entfernen. Gegen den Wickler werden Fungizide wie Discus, Rovral, Zato und viele andere eingesetzt. Ein weiterer Schädling ist die Apfelsägewespe, deren Larven nach und nach das Fruchtfleisch und das Kerngehäuse fressen. Aufgrund ihrer Überwinterungsfähigkeit müssen beschädigte Früchte entfernt werden. Die chemische Bekämpfung erfolgt zum Zeitpunkt des Larvenlustes nach dem Abfallen der Blütenblätter. Ein weiteres häufiges Problem beim Apfelanbau ist Schorf, verursacht durch einen Pilz, der Früchte, Triebe und Blätter befällt. Er tritt meist bei zu dichter Pflanzung sowie bei warmem und feuchtem Wetter auf. Geeignete Hilfsmittel sind Fungizide wie Discus, Dithane, Baycor, Syllit, Delan u. a. Ein sehr verbreiteter Schädling ist zudem die Grüne Apfelblattlaus, die an den Enden junger Triebe vorkommt. Eine hervorragende Hilfe ist eine vorbeugende Spritzung kurz nach dem Austrieb mit Mitteln wie Calypso, Mospilan oder Pirimor oder das Anbringen gelber Leimtafeln.
Autor: Kollektiv Prima Pflanzen
